Vampirgruft



- Tagebuch meiner Pragreise im August 2008 -


1. Tag, 23. August 2008

Diesen Sommer wollte ich mir endlich den jahrelangen Wunsch nach einer Fettabsaugung erfüllen. In Deutschland unbezahlbar, flog ich hierfür nach Tschechien und verband es kurzerhand mit einem Kurzurlaub in Prag.

Ich hatte extra einen frühen Flug gebucht, um den Tag voll ausnutzen zu können. Und so fuhr ich mitten in der Nacht, genauer gesagt um 4.30 Uhr, mit dem Taxi zum Bahnhof. Dort wollte ich mir eigentlich noch etwas zu trinken kaufen, aber obwohl es lediglich wenige Minuten vor Ladenöffnung waren und die Türen des Bahnhofsbäckers bereits weit offen standen, war man dort nicht gewillt, mir schon etwas zu verkaufen. Na dann eben nicht.

Nach "großzügigen" zwei Minuten zum Umsteigen in Mainz (und der Anschlusszug wartete mit der Abfahrt auch keine Sekunde länger) saß ich außer Atem in der schäbigen S-Bahn Richtung Frankfurt, während sich der Himmel im Sonnenaufgang von dunklem blaugrün über türkis zu einem leuchtenden rotviolett färbte.


Blick vom Flugzeug auf Prag

Der Flug dauerte nur knapp eine Stunde, so dass ich auf das trockene Gummibrötchen der Lufthansa dankend verzichtete. In Prag angekommen tauschte ich Euro in Tschechische Kronen, bevor ich abgeholt und zur Pension gefahren wurde. Das Zimmer mit großem Bett war sehr schön und ließ mit TV, Kühlschrank, Wasserkocher, Mikrowelle und Ventilator keine Wünsche offen. Im geräumigen Bad machte ich mich frisch und ging anschließend nach unten, um mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Im Treppenhaus traf ich den deutschsprachigen Besitzer der Pension, der mich fragte, ob er mich mitnehmen könne. Perfektes Timing :-)

Unterwegs kamen wir an den westlichen Teilen der Stadtmauer sowie der direkt gegenüber gelegenen Festung Brevnov vorbei, sodass ich bereits hier ausstieg, um mir beides anzuschauen. Die Festung war allerdings Militärgebiet und nicht zugänglich.


Teile der Festung und Stadtmauer

Auf dem Weg in die Stadt zweigte ich von der Straße ab und ging stattdessen durch ein Waldgebiet, in dem ebenfalls noch Reste der Festung zu sehen waren. Zudem hatte man von hier oben einen tollen Blick auf die Stadt und die Prager Burg.



Die Prager Burg (Hradschin)

Diese wollte ich nun auch endlich sehen, immerhin handelt es sich laut Reiseführer beim Prager Hradschin mit einer Länge von 570 Metern um die größte altertümliche Burganlage der Welt. Ihre Geschichte begann bereits im 9. Jahrhundert, im 11. Jahrhundert wurde sie zur romanischen Fürstenburg ausgebaut und später zum Königssitz. 1541 fiel die Burg dem großen Prager Stadtbrand zum Opfer, wurde anschließend aber wieder aufgebaut.

Ich kam an unzähligen schmuckvollen Gebäuden mit verzierten Fassaden vorbei, optisch jedes für sich ein eigenes, kleines Schloss. Es war kurz vor 12.00 Uhr, als ich am Westflügel das "Tor der Giganten" zum ersten Burghof erreichte und die dortige Anzahl der Touristen überstieg meine schlimmsten Befürchtungen. Die Massen warteten auf die bevorstehende Wachablösung, die hier jeden Mittag zelebriert wird. Ich fand das militärische Gehabe jedoch nur minder interessant. Deshalb verließ ich den Hradschinplatz nach ein paar Fotos recht schnell wieder und umrundete die Burg zur Hälfte durch die Südgärten, in denen diverse Fotos von Salvador Dali ausgestellt wurden.


Palais Schwarzenberg und erzbischöfliches Palais


Der Ludwigs-Trakt


Links die Südfassade, rechts das Osttor mit dem schwarzen Turm


Blick von der Burg auf die Karlsbrücke (Karluv most) und das Kloster Strahov

Durch das Osttor betrat ich die Burg, die zugegebenermaßen ganz und gar nicht dem entsprach, was ich mir davon erhofft hatte. Groß war sie, sicher; aber sie wirkte eher wie eine eigene kleine Stadt mit prunkvollen Bauten und Kirchen, als wie eine imposante Burg.
Ich stellte mich an der endlosen Schlange am Kassenhaus an und studierte die Preisliste. Umgerechnet 10,50 Euro kostete der Eintritt für die "kleine Tour", stolze 15 Euro die Gesamtkarte. In dieser wären noch diverse Galerien und Ähnliches enthalten gewesen. Mich interessierte jedoch nur die Burg an sich und deshalb reichte mir das "günstigere" Ticket.

Im Wehrgang oberhalb des goldenen Gässchens waren Rüstungen und mittelalterliche Waffen ausgestellt, ansonsten konnte mich der nordöstliche Teil der Burg aber nur wenig begeistern. In nahezu jedem Raum waren irgendwelche Touri-Geschäfte untergebracht und zudem musste ich beim Fotografieren ziemlich viel Geduld aufbringen, da mir ständig irgendwelche Leute ins Bild liefen.

Eigentlich hätte ich mir als nächstes gerne den mächtigen Sankt-Veits-Dom inmitten des dritten Burghofs angeschaut; dieser kostete allerdings nochmalig zusätzlichen Eintritt und zudem war die Schlange der davor stehenden Touristen wirklich endlos lang. So verzichtete ich auf einen Besuch und besichtigte stattdessen die St.-Georgs-Basilika, welche in meiner Karte mit enthalten war.


Das goldene Gässchen und die Sankt Georgs Basilika


Sankt Veits Dom


Links die Deckenansicht des St. Georgs Klosters

In der Krypta der Burg sind u.a. die vier Ehefrauen von Kaiser Karl IV bestattet. Man sagt, ihre Geister wandeln nachts eifersüchtig kämpfend durch die endlosen Gänge, auf der Suche nach einem letzten Blick auf ihren Ehemann.

Hinter einer Glasscheibe einer Seitenkapelle des St. Georgs Klosters waren die Gebeine "einer Frau aus dem Konvent" zu sehen, während durch einen Schacht das Licht auf die darüber liegende, kunstvoll bemalte Deckenkuppel fiel. Im Königspalast besichtigte ich u.a. den großen Wladislaw-Saal, die Reiterstiege und die alte Landrechtsstube mit dem Königsthron, bevor ich nach fast drei Stunden die Burg vorbei am Pulverturm wieder verließ.


Gebeine im St. Georgs Kloster


Die alte Landrechtsstube und die Decke des Wladislaw-Saals


Königsthron und Pulverturm

Vom Burgberg lief ich am Flussufer der Moldau (Vltava) entlang bis zur Karlsbrücke, auch hier herrschte hektisches Treiben. Händler boten ihre Waren den Touristen feil, Straßenmusiker spielten auf ihren Instrumenten und Zeichner fertigten Portraits und Karikaturen. Auf beiden Seiten der 520 m langen Brücke standen insgesamt 30 Statuen von Heiligen, deren Gesichter zum Teil von Spinnweben umgeben waren. Es handelt sich hierbei jedoch lediglich um Kopien, die Originale werden aus Schutz vor Umwelteinflüssen im Museum aufbewahrt. Im Jahr 1393 nahm Johannes von Nepomuk, Erzbischof von Prag, der Ehefrau von Kaiser Wenzel (Waclav) IV die Beichte ab. Als sich Nepomuk anschließend weigerte, sein Beichtgeheimnis dem Kaiser zu verraten, befahl dieser, den Erzbischof von der Karlsbrücke in die Moldau und somit in den Märtyrertod zu werfen. Nepomuks Geist wurde daraufhin über 300 Jahre immer wieder am Moldauufer und auf der Brücke gesichtet. Die Statue des hingerichteten Erzbischofs aus dem Jahre 1683 ist gleichzeitig die älteste. Über sie wird erzählt, dass darin Nepomuks Geist gefangen war, bis zu jenem Tag, als die Statue gegen eine Kopie ausgetauscht wurde.

Bereits 978 gab es an der Stelle der Karlsbrücke eine kleine Holzbrücke, es soll die erste Brücke über die Moldau gewesen sein. Da die Moldau während des Brückenbaus kaum Wasser führte, wurde der Mörtel zum Teil mit Eiern und Rotwein angerührt. Nach diversen Vorgängerbauten (u.a. die Jesuitenbrücke aus dem 12. Jahrhundert), welche von Fluten zerstört wurden, wurde die heutige Karlsbrücke ab 1357 errichtet. Die Brückentürme an beiden Enden waren einst Teile der Stadtmauern.


Statuen auf der Karlsbrücke


Das Karlstor auf der Westseite der Karlsbrücke

Ich schlenderte durch verwinkelte Gassen mit hohen Häuserfassaden, die an eine Mischung aus Edinburgh (Schottland) und Cluj-Napoca (Rumänien) erinnerten, und kam so zum Altstädter Ring. Schon im Mittelalter war er ein wichtiges Zentrum der Stadt und noch heute sind die bunten Bürgerhäuser jener Zeit zu bewundern. 1422 wurde hier der Anführer der Hussiten, Jan Zelivsky, hingerichtet, knapp 200 Jahre später insgesamt 27 tschechische und deutsche Adlige. Auch war der Altstädter Ring Schauplatz einer der berühmten Prager Fensterstürze: Am 30. Juli 1419 warfen protestierende Anhänger der hussitischen Lehre die Stadtoberen aus dem Rathausfenster, geradewegs in die Spieße und Lanzen der unten wartenden Menge. Das war der blutige Auftakt zur hussitischen Revolution. Der zweite und folgenschwerere Prager Fenstersturz ereignete sich am 23. Mai 1618, als protestantische Adlige zwei Stadthalter samt Sekretär seiner katholischen Majestät Ferdinand II aus dem Fenster der Prager Burg warfen und so den Dreißigjährigen Krieg herbeiführten. Die beiden Stadthalter überlebten übrigens, da sie in einem Misthaufen landeten ;-)


Mischung aus einem genmanipuliertem Maiskorn und Willi aus Biene Maja??

Schmuckstücke am Altstädter Rathaus sind neben dem Haus des Kürschners Mikes mit Spitzbogenarkaden das Kalendarium und die astronomische Uhr aus dem 15. Jahrhundert. Die Legende besagt, dass die Stadthalter den Konstrukteur Hanus blenden ließen, damit er für andere Städte nicht ein ähnliches Meisterwerk erschaffen könne. Aus Rache stieg er auf den Turm und hielt das Laufwerk an, woraufhin die Uhr für 50 Jahre stillstand.


Der Altstädter Ring

Links: die astronomische Uhr und das Kalendarium am Altstädter Rathaus

In Tracht gekleidete Frauen tanzten zu volkstümlicher Musik auf der Straße, als ich weiter zum Wenzelplatz ging, der als Herzstück der 1348 von Karl IV. gegründeten Neustadt angelegt wurde. Ehemals bildete die Stadtmauer mit dem Rosstor seine südliche Begrenzung, die später dem Nationalmuseum weichen musste.

Am oberen Ende ragt das Denkmal des heiligen Wenzel (Pomnik sv. Vaclava) in den Himmel. Ob die Namensgleichheit zu Wenzel von Schlotterstein aus dem Kinofilm vom kleinen Vampir Zufall ist? ;-)


Links die Statue des hl. Wenzel

Für heute war ich genug gelaufen und hatte genug gesehen, so dass ich mich auf den Rückweg zu meiner Pension machte. Dabei musste feststellen, dass diesen Abend die eigentliche Bahn- und Buslinie dorthin aus mir unbekannten Gründen ausfiel und ich über Ersatzlinien einen Umweg nehmen musste. In der Straßenbahn wollte ich mir eine Fahrkarte kaufen - dort wurde mir jedoch mitgeteilt, dass diese nur am Kiosk oder in entsprechenden Shops der Metro erhältlich seien. So stieg ich wieder aus und ging zur Metrostation, wo der Ticketschalter aber bereits geschlossen hatte. Daneben stand zwar ein Fahrkartenautomat, dieser nahm allerdings nur Münzen - und ich hatte lediglich Geldscheine. Schließlich bin ich dann schwarz gefahren...

Unterhalb meiner Pension entdeckte ich noch eine leer stehende, schlossähnliche Villa. Wie mir später erzählt wurde, soll das Haus einst der russischen Maffia gehört haben. Vor kurzem wurde es verkauft, nach der Sanierung soll dort nun eine Botschaft eingerichtet werden.


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